Lehrermangel – ein Aufruf an die Politik
Schon seit Jahren wird von Gewalt an den Schulen in den USA berichtet. Dass Kinder ihre Mitschüler töten, nehmen wir zur Kenntnis, doch sind dies Nachrichten aus dem Ausland und betreffen uns daher nicht unmittelbar. Da liegen uns Probleme mit LehrerInnen schon näher. Von sexuellen Übergriffen, massiver Häufung von Kündigungen und gar Suizid muss ich – auch als zukünftiger Vater – in den Zeitungen lesen.
Vielleicht gerade weil meine Ausbildung weder sozial noch psychologisch geprägt ist, wage ich es, hier einige Gedanken zu obigen Missständen wiederzugeben. Von einem Freundeskreis, welcher einige LehrerInnen einschliesst, bekomme ich zunehmend den Eindruck, die LehrerInnen werden von zwei Seiten in die emotionale Zange genommen. Die Eltern, Rektoren und Politiker fordern zunehmend eine umfassendere Betreuung, Erziehung und Führung der Kinder. Letztere wiederum seien "schwieriger" geworden, hätten Respekt und Höflichkeit verloren und erschweren damit genau die Umsetzung der obengenannten Forderungen.
Die Kinder sind Schuld
Obwohl selbst nicht Lehrer, nehme ich im öffentlichen Leben eine frappante Verschiebung im Verhalten von Kindern und Jugendlichen wahr. Dies beschäftigt mich umso mehr, als dass ich mir vor zehn Jahren, damals selbst in jener Altersgruppe, geschworen habe, als Erwachsener die Jugend weiterhin zu verstehen und zu respektieren. Doch gerade Respekt scheint heute nicht mehr modern zu sein. Respekt vor der Natur, vor den Mitmenschen und deren Eigentum, selbst der Respekt vor sich selbst scheint den Kindern nicht mehr mitgegeben zu werden. Leider ist Kant nicht Hip-Hopper, sonst wäre der Grundsatz "Behandle deinen Nächsten, wie du selbst behandelt werden möchtest" vielleicht via Hitparade inzwischen in den jugendlichen Köpfen verankert. Wie soll ein Lehrer / eine Lehrerin einer Gruppe von 30 Kindern etwas beibringen, wenn diese weder die Lehrperson noch das Eigentum der MitschülerInnen respektieren?
Die Eltern sind Schuld
Meine Mutter hat ihre Arbeit (als Primarlehrerin) aufgegeben, als ihre Kinder zur Welt kamen. Erst mit 50 hat sie wieder eine Arbeit aufgenommen. Meine Mutter wahr wahrscheinlich nicht emanzipiert, als ich zur Welt kam. Moderne Eltern würden nach der Geburt einige Monate ihr Neugeborenes umsorgen, um es dann in eine gute Kinderkrippe zu geben, wo sie im Internet via Webcam die ersten Schritte ihrer Tochter verfolgen könnten. Und die Mutter würde ihre 80% Anstellung so einteilen, dass sie trotz Überstunden immerhin einmal in der Woche um vier Uhr nachmittags zuhause wäre. Während solche Eltern vor der Gesellschaft (wir sind die Gesellschaft) als angesehen gelten, übt sich ihr Kind in Selbsterziehung. Die ersten Jahre der Bezugsperson beraubt, muss die Tochter in der zweiten Klasse versuchen zu verstehen, weshalb sie dem Lehrer nicht Arschloch sagen darf. Dieser versucht derweil, die Erziehungsdefizite seiner Klasse von 30 Schülern auszubügeln.
Die Wirtschaft ist Schuld
Die Vorzeige-Eltern werden finanziell gezwungen, als Doppelverdiener weiter zu arbeiten. Die teure Wohnung, die man sich ja immerhin ohne Kind auch leisten konnte, die beiden Autos, sie verlangen ein hohes Haushaltseinkommen. Abstriche in der Lebensqualität sind undenkbar, man will ja das beste für die Kinder. Das die Wirtschaft mittels Werbung einschneidende Eingriffe in die Wertvorstellungen unserer Gesellschaft vornehmen kann, erachte ich seit der Modell-Magersucht als erwiesen. Doch die Wahl für Ehepaare ist nicht einfach. Die einseitige Aufgabe der Arbeitstätigkeit erschwert den späteren Wiedereinstieg drastisch, herablassende Reaktionen des sozialen Umfelds erschweren diesen Entscheid zusätzlich. Doch dass beide Elternteile je 50% bis 60% arbeiten können, dazu fehlen in der Wirtschaft schlicht die geeigneten Arbeitsplätze. Es gibt auch keine wirtschaftlichen Anreize, solche Stellen zu schaffen.
Die Politik ist Schuld
Wirksame Massnahmen, ergriffen durch unseren Politiker, fehlen. Die LehrerInnen werden nicht gefördert, sie müssen um Lohnerhöhungen kämpfen, obwohl ihre Jobbeschreibung sich jährlich erweitert. Es gibt keine Anreize zur Schaffung von mehr Teilzeit-Stellen. Der Mutterschaftsurlaub wird, wieder mal, auf später verschoben.
Das Problem als Chance
Ein Lehrer / eine Lehrerin wird bei 30 Schülern niemals das erreichen können, was Eltern ihrem Kind mitgeben können. Die Erziehung muss deshalb wieder stärker durch die Eltern übernommen werden, damit sich LehrerInnen wieder vermehrt auf die Ausbildung konzentrieren können. Diese Verschiebung kann nicht durch eine einzelne Stelle ausgelöst werden, sondern erst im Dialog zwischen Wirtschaft und Politik. Da einige Parteien, auch mit Nähe zur Wirtschaft, seit einiger Zeit mit dem Vorwurf kämpfen, sie hätten kein Programm, bietet sich eine goldene Chance. Erst wenn sich Parteien wie die CVP als Elternvertreter und FDP als Wirtschaftspartei sich diesem Thema annehmen, steht eine Lösung in Aussicht. Und vielleicht würde ja sogar die SVP wieder mal zustimmen.
Vielleicht gerade weil meine Ausbildung weder sozial noch psychologisch geprägt ist, wage ich es, hier einige Gedanken zu obigen Missständen wiederzugeben. Von einem Freundeskreis, welcher einige LehrerInnen einschliesst, bekomme ich zunehmend den Eindruck, die LehrerInnen werden von zwei Seiten in die emotionale Zange genommen. Die Eltern, Rektoren und Politiker fordern zunehmend eine umfassendere Betreuung, Erziehung und Führung der Kinder. Letztere wiederum seien "schwieriger" geworden, hätten Respekt und Höflichkeit verloren und erschweren damit genau die Umsetzung der obengenannten Forderungen.
Die Kinder sind Schuld
Obwohl selbst nicht Lehrer, nehme ich im öffentlichen Leben eine frappante Verschiebung im Verhalten von Kindern und Jugendlichen wahr. Dies beschäftigt mich umso mehr, als dass ich mir vor zehn Jahren, damals selbst in jener Altersgruppe, geschworen habe, als Erwachsener die Jugend weiterhin zu verstehen und zu respektieren. Doch gerade Respekt scheint heute nicht mehr modern zu sein. Respekt vor der Natur, vor den Mitmenschen und deren Eigentum, selbst der Respekt vor sich selbst scheint den Kindern nicht mehr mitgegeben zu werden. Leider ist Kant nicht Hip-Hopper, sonst wäre der Grundsatz "Behandle deinen Nächsten, wie du selbst behandelt werden möchtest" vielleicht via Hitparade inzwischen in den jugendlichen Köpfen verankert. Wie soll ein Lehrer / eine Lehrerin einer Gruppe von 30 Kindern etwas beibringen, wenn diese weder die Lehrperson noch das Eigentum der MitschülerInnen respektieren?
Die Eltern sind Schuld
Meine Mutter hat ihre Arbeit (als Primarlehrerin) aufgegeben, als ihre Kinder zur Welt kamen. Erst mit 50 hat sie wieder eine Arbeit aufgenommen. Meine Mutter wahr wahrscheinlich nicht emanzipiert, als ich zur Welt kam. Moderne Eltern würden nach der Geburt einige Monate ihr Neugeborenes umsorgen, um es dann in eine gute Kinderkrippe zu geben, wo sie im Internet via Webcam die ersten Schritte ihrer Tochter verfolgen könnten. Und die Mutter würde ihre 80% Anstellung so einteilen, dass sie trotz Überstunden immerhin einmal in der Woche um vier Uhr nachmittags zuhause wäre. Während solche Eltern vor der Gesellschaft (wir sind die Gesellschaft) als angesehen gelten, übt sich ihr Kind in Selbsterziehung. Die ersten Jahre der Bezugsperson beraubt, muss die Tochter in der zweiten Klasse versuchen zu verstehen, weshalb sie dem Lehrer nicht Arschloch sagen darf. Dieser versucht derweil, die Erziehungsdefizite seiner Klasse von 30 Schülern auszubügeln.
Die Wirtschaft ist Schuld
Die Vorzeige-Eltern werden finanziell gezwungen, als Doppelverdiener weiter zu arbeiten. Die teure Wohnung, die man sich ja immerhin ohne Kind auch leisten konnte, die beiden Autos, sie verlangen ein hohes Haushaltseinkommen. Abstriche in der Lebensqualität sind undenkbar, man will ja das beste für die Kinder. Das die Wirtschaft mittels Werbung einschneidende Eingriffe in die Wertvorstellungen unserer Gesellschaft vornehmen kann, erachte ich seit der Modell-Magersucht als erwiesen. Doch die Wahl für Ehepaare ist nicht einfach. Die einseitige Aufgabe der Arbeitstätigkeit erschwert den späteren Wiedereinstieg drastisch, herablassende Reaktionen des sozialen Umfelds erschweren diesen Entscheid zusätzlich. Doch dass beide Elternteile je 50% bis 60% arbeiten können, dazu fehlen in der Wirtschaft schlicht die geeigneten Arbeitsplätze. Es gibt auch keine wirtschaftlichen Anreize, solche Stellen zu schaffen.
Die Politik ist Schuld
Wirksame Massnahmen, ergriffen durch unseren Politiker, fehlen. Die LehrerInnen werden nicht gefördert, sie müssen um Lohnerhöhungen kämpfen, obwohl ihre Jobbeschreibung sich jährlich erweitert. Es gibt keine Anreize zur Schaffung von mehr Teilzeit-Stellen. Der Mutterschaftsurlaub wird, wieder mal, auf später verschoben.
Das Problem als Chance
Ein Lehrer / eine Lehrerin wird bei 30 Schülern niemals das erreichen können, was Eltern ihrem Kind mitgeben können. Die Erziehung muss deshalb wieder stärker durch die Eltern übernommen werden, damit sich LehrerInnen wieder vermehrt auf die Ausbildung konzentrieren können. Diese Verschiebung kann nicht durch eine einzelne Stelle ausgelöst werden, sondern erst im Dialog zwischen Wirtschaft und Politik. Da einige Parteien, auch mit Nähe zur Wirtschaft, seit einiger Zeit mit dem Vorwurf kämpfen, sie hätten kein Programm, bietet sich eine goldene Chance. Erst wenn sich Parteien wie die CVP als Elternvertreter und FDP als Wirtschaftspartei sich diesem Thema annehmen, steht eine Lösung in Aussicht. Und vielleicht würde ja sogar die SVP wieder mal zustimmen.
Labels: Erziehung, Lehrermangel

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